Das startsocial-Projekt "Viva con Agua de Sankt Pauli"


Wenn ein kleiner Junge zu einen fremden Mann nach einem kurzen Fußballspiel sagt: „Du bist der beste Freund, den ich jemals hatte“, muss mehr dahinter stecken. Abgespielt hat sich diese Szene in einem Kindergarten auf Kuba. Der Fremde war Benjamin Adrion, ehemaliger Profi-Kicker beim Hambur-ger St. Pauli. Adrion hat 2005 Viva con Agua ins Leben gerufen, eine Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Menschen

in Entwicklungsländern mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. Angefangen hat alles mit einem Trainingslager auf Kuba. Adrion war mit seinen Fußballer-Kollegen in einem der luxuriösesten Hotels der Stadt untergebracht. Gleichzeitig erlebte er beim Besuch eines Kindergartens, dass Wasser streng rationiert wird. „Das Wasser wird eingeteilt, weil es nicht genügend davon gibt“, sagt Adrion. Und das bei 40 Grad im Schatten. „Die Kinder können nicht so viel trinken, wie sie eigentlich möchten. Nach Erlebnissen wie diesem fühlte ich mich einfach verpflichtet, aktiv zu werden und zu helfen.“

Nach seiner Rückkehr gründete Benjamin Adrion deshalb Viva con Agua. „Am Anfang war Viva con Agua ein improvisiertes Hobbyprojekt. Es gab nur einen Zettel voller Ideen, keine Struktur“, sagt Adrion. Das hat sich in der Zwischenzeit geändert – auch dank zweier startsocial-Stipendien, bei denen es Tipps von Profis aus der Wirtschaft gab. Auf Kuba hat Viva con Agua bereits 53 Kindergärten und vier Sportstätten mit Trinkwasserspendern ausgestattet. Vorher kam das Wasser verschmutzt aus der Leitung und musste abgekocht werden. Häufig hatten die Kinder durch das verunreinigte Wasser Fieber und Durchfall.


"Jetzt habe ich wieder Zeit für neue Ideen"

Unsere startsocial-Coaches haben uns dabei geholfen, uns besser zu strukturieren. Davor war ich sehr viel mit der täglichen Kleinarbeit beschäftigt: Die Homepage updaten, die Pressearbeit erledigen oder Teamtreffen organisieren. Daneben bin ich kaum noch dazu gekommen, mich um neue Ideen und Konzepte zu kümmern.

Interview mit Benjamin Adrion

Auch in Afrika ist Viva con Agua aktiv: „Für uns war klar, dass das nächste Ziel Afrika heißen muss. Dort ist die Trinkwasserproblematik noch größer, weil es einfach kaum Wasser gibt“. Im UN-Milleniumsdorf Sodo in Äthiopien werden jetzt mehrere Tiefbrunnen gebohrt. „Wo und wie viele, entscheiden wir gemeinsam mit den Dorfbewohnern, damit wir nicht an deren Bedürfnis-sen vorbei planen. Wir hoffen, dass die Brunnen in diesem Jahr fertig werden, so dass wir uns anschließend einem neuem Projekt widmen können“. Zur Umsetzung der Projekte vor Ort kooperiert Viva con Agua mit der Deutschen Welthungerhilfe. Adrion ist froh über diese Unter-stützung: „Wir sind von Anfang an alle mit sehr viel Energie an die Arbeit gegangen. Doch das reicht nicht aus, wenn man etwas bewegen möchte. Deshalb haben wir eine erfahrene Hilfsorganisation ins Boot geholt.


Doch bei Viva con Agua ist es wie bei jedem sozialen Projekt: Guter Wille reicht nicht aus, die Initiatoren brauchen vor allem auch Geld. Allein der Einbau der Trinkwasserspender auf Kuba hat 50.000 Euro gekostet. Deshalb veranstalten Benjamin Adrion und sein zehnköpfiges Team in Deutschland Konzerte,

Theateraufführungen oder Spendenläufe an Schulen. „Wir machen Veranstaltungen, bei denen sich Leute treffen und feiern und mit ihrem Eintrittsgeld gleichzeitig etwas Gutes tun.“ Gerade an Schulen geht es aber auch um etwas anderes: „Jugendliche sind unsere Zukunft. Wir wünschen uns, dass sie ein Gefühl für die Sorgen der Menschen in Entwicklungsländern bekommen.“ Bei Viva con Agua können sie das sogar am eigenen Leib erfahren: „Bei unseren Events an Schulen können Jugendliche ausprobieren, wie anstrengend es ist, einen Eimer Wasser anderthalb Kilometer weit zu tragen.“ Auch wenn die Veranstaltungen zeigen möchten, dass Entwicklungs-arbeit mit Leichtigkeit und Spaß verbunden sein kann, ist immer klar, wofür Viva con Agua kämpft. Bei jeder Veranstaltung laufen Filme aus den Projektländern. Man sieht das äthiopische Dorf Sodo, die vertrockneten Böden, kleine Kinder, die sich in einem Fluss mit verschmutztem Wasser waschen.

Viva con Agua will weiter wachsen und bietet deshalb jedem die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen. „Wir verstehen uns als offenes Netzwerk und setzen auf die Kreativität der Leute. Jeder kann so helfen, wie er möchte und entscheiden, wie er sich für unser Ziel stark macht.“ Was genau damit gemeint ist, zeigt die Idee dreier Hamburger Hebammen. Sie wollten sich für Viva con Agua engagieren und entschieden sich, fünf Euro für jedes Baby zu spenden, das in ihrem Krankenhaus im Wasser geboren wird.

www.vivaconagua.org